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Über den Autor
ein kurzer Überblick
Zu diesem Buch
von Gunter Sachs
Auszüge aus den Kapiteln
Beginn, Bardot, Mirja
Pressestimmen
Die Biographie in den Medien



  BIOGRAPHIE GUNTER SACHS
  "MEIN LEBEN" IN DEN MEDIEN




 
  DER SPIEGEL   DIE WELT   DIE ZEIT
 



  Gunter Sachs über seine Eltern, seine Liebe zu den Frauen, die großen Jahre von St. Tropez und sein jetzt erscheinendes Erinnerungsbuch "Mein Leben"
Der Spiegel, 44/2005
- Verena Araghi und Wolfgang Höbel -



SPIEGEL: Herr Sachs, sind Sie ein Egoist?
SACHS: Aber keinesfalls. Wie kommen Sie darauf?

SPIEGEL: Weil Sie in Ihrer nun erscheinenden Autobiografie eine Welt schildern, die sich vornehmlich um Sie dreht, samt schöner Frauen*.
SACHS: Wenn Sie das Buch genau lesen, werden Sie das Gegenteil feststellen. Ich habe in meinem Leben oft und aus freien Stücken anderen Menschen in schwierigen Lagen geholfen, und zwar mit Rat und Tat.

SPIEGEL: Haben Sie anderen Menschen nicht vielleicht doch mal Schmerzen zugefügt?
SACHS: Wozu? Ich habe lieber gelebt, statt zu piesacken. Im Übrigen hatte ich keine Liebschaften wie Sand am Meer. Ich gehöre wie die meisten Romantiker zu den One-Girl-Guys.

SPIEGEL: Warum sind die Frauen Ihres Lebens blond?
SACHS: Es ist nicht so, dass ich nur blonde Frauen schön finde. Ich kenne und sehe im Leben und in den Medien viele wunderschöne dunkelhaarige Frauen. Sie scheinen sinnlicher und rassiger, die Blonden dagegen kühler und zurückhaltender. Deswegen tendiert mein Geschmack eher zu blond . also nicht wegen der Schönheit allein.

SPIEGEL: Wollen Sie mit solchen Weisheiten Feministinnen provozieren?
SACHS: Überhaupt nicht. Ich schätze das frauliche Prinzip "Intuition vor Logik" höher ein als das männliche, das die Logik über die Intuition stellt. Ein weiterer Unterschied: Die Männer gefallen sich mehr in der Welt von James Bond, Frauen mehr in einer Welt der "Geschichte der O.".

SPIEGEL: Wie bitte? Frauen träumen davon, sich zu unterwerfen und an Hundeleinen spazieren führen zu lassen?
SACHS: Das sind die Pole, zwischen denen Mann und Frau sich in der Erotik bewegen. Besitzen wollen und besessen werden wollen. Das Buch wurde von Dominique Aury, animiert durch ihren Liebhaber, den Philosophen Jean Paulhan, und unter dem Pseudonym Pauline Réage geschrieben. Es war in Frankreich das meistdiskutierte Buch der fünfziger Jahre über das weibliche erotische Wunschdenken.

SPIEGEL: Weshalb zeigen Ihre Fotografien Frauen stets in erotischen Posen?
SACHS: Da täuschen Sie sich. Ich habe nie erotisch fotografiert, sondern den Augenblick der Ästhetik gesucht. Erotik erzählt und erweckt den Wunsch, weiterzudenken. Ästhetik ist statisch. Weil das oft verwechselt wird, habe ich mir jetzt vorgenommen, einmal eine größere Strecke Erotik zu fotografieren.

SPIEGEL: Zu den erstaunlichen Seiten Ihres Buchs gehört, wie heiter Sie auch über vermeintlich schwierige Momente schreiben, zum Beispiel über die Zeit, als Ihre Mutter sich von Ihrem Vater trennte und Sie als Dreijähriger für einige Zeit in einem Schweizer Waisenhaus leben mussten.
SACHS: Das Waisenhaus fanden wir als Kinder eben spannend, und die Scheidung meiner Eltern habe ich nicht mitbekommen, dafür war ich noch zu klein. Der größte Schmerz meiner Kindheit war ein Liebeskummer mit elf Jahren. Weniger heiter schreibe ich über die Tatsache, dass meine Mutter wegen despektierlicher Äußerungen das Reich verlassen und 90 Prozent ihres Vermögens als Reichsfluchtsteuer zurücklassen musste.





SPIEGEL: Warum berichten Sie nur sehr wenig über Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater, der während der Nazi-Zeit mit braunen Politikern wie Hermann Göring auf die Jagd ging und mit der Firma Fichtel & Sachs von der Kriegsrüstung profitierte?
SACHS: Mit Göring hatte mein Vater schon lange vor dem Krieg eine Jagdfreundschaft. Ich habe meinen Vater erst mit 19 oder 20 näher kennen gelernt. Deshalb eignet sich die Beziehung zu ihm kaum für große Ausführungen. Auch später haben wir uns zu selten gesehen. Ein Treffen mit ihm und Max Schmeling im Vier Jahreszeiten in München war sicher die einprägsamste Erinnerung. Ich lebte in der Schweiz und mein Vater in Bayern. Es gab keine engeren Bande. Aber wir hatten auch keine Sorgen miteinander. Er war für mich wie ein entfernter lieber Verwandter, für den ich Respekt und Zuneigung empfand.

SPIEGEL: Nur sehr knapp erwähnen Sie, dass Ihr Vater sich 1958 das Leben genommen hat.
SACHS: Warum soll ich etwas breittreten, was sehr schmerzlich war, aber schnell vorüberging? Seit seiner Gefangenschaft im amerikanischen Lager litt mein Vater jeden Herbst an Depressionen. An einem Novembertag erschoss er sich in seinem Jagdhaus.

SPIEGEL: Inwiefern hat sich Ihr Leben durch den Tod Ihres Vaters mit einem Schlag verändert?
SACHS: Ich gab damals, mit 26, mein Studium der Betriebswirtschaft auf und trat in den Aufsichtsrat von Fichtel & Sachs ein.

 

SPIEGEL: Und Sie schlossen bald Freundschaft mit dem berühmten Frauenhelden Porfirio Rubirosa. War er wirklich so unwiderstehlich?
SACHS: Rubi war viel prüder, als man sich das vorstellt. Er sprach nie über Frauen und machte keine Herrenwitze. Anspielungen auf seine Männlichkeit, etwa die in französischen Restaurants damals übliche Bitte um eine Pfeffermühle mit den Worten "Passe-moi le Rubi", waren ihm peinlich.

SPIEGEL: Gemeinsam mit Ihren Freunden haben Sie in den fünfziger und sechziger Jahren vor allem in St. Tropez einen lässigen Lebensstil vorgeführt, den Sie im Buch einmal "neues Denken" nennen. Haben Sie sich im Ernst als geistigen Befreier gesehen?
SACHS: Nein, wir hatten vor allem die Befreiung von Jacken, Krawatten und Socken in sommerlichen Halbschuhen im Sinn. Wenn ich zurückdenke, dann fühlte sich keiner der Tropezianer der ersten Stunde als Rebell. Sie waren Befreier von bürgerlichen Konventionen. Der Film ". und immer lockt das Weib" von Roger Vadim und Brigitte Bardot hat da etwas aufgebrochen.





SPIEGEL: Sie erzählen begeistert von Ihren Künstlerfreunden wie Salvador Dalí oder Andy Warhol und berichten von einer inszenierten Orgie in Dalís Suite im berühmten Pariser Hotel Meurice.
SACHS: Ich habe aber den einfachen Bürger niemals verlacht oder mich in Interviews über seinen Lebensstil lustig gemacht. Ich lebte eben anders, nach meiner Facon- aber wohlerzogen.

SPIEGEL: Gehörte es zum Leben eines Playboys, sich nicht mit Arbeit zu belasten oder zumindest diesen Eindruck zu erwecken?
SACHS: Dank meiner Schlaflosigkeit konnte ich mindestens zwei Leben leben und beim Wechsel vom einen ins andere noch eine Cocktailparty besuchen. Zu einer Zeit, in der man nach acht Uhr in der Früh nicht mehr aus St. Tropez raustelefonieren konnte, war ich jeden Morgen um fünf Uhr auf und habe alle Geschäfte am Telefon besprochen. Außerdem war ich ja nur vier bis fünf Wochen im Sommer in St. Tropez, nicht das halbe Jahr, wie die Presse stets glauben machte.

SPIEGEL: So wie Sie scheinbar die ganze Wintersaison über in St. Moritz für Aufruhr sorgten.
SACHS: In St. Tropez war alles neu, und nichts war arriviert, es gab keine eingestanzten Regeln und Sitten. St. Moritz dagegen war seit den dreißiger Jahren ein eingefahrener und festgefahrener Dampfer. Deshalb haben wir unseren Dracula- Club gegründet und etwas bewegt, wenigstens nachts. Plötzlich hatte man Spaß mit nächtlichen Bob- oder Cresta-Fahrten und einen Club voller junger Leute.

SPIEGEL: Wie war Ihr Verhältnis zur Protest- generation der 68er?
SACHS: Wir kamen, glaube ich, gut miteinander aus. Die sahen in mir eher einen bunten Hund. Einmal habe ich sogar gesagt, ich wäre gern der Berliner Kommune 1 beigetreten, wenn ich ein Zimmer mit Uschi Obermaier bekommen hätte. Aber die hatten ja keine Doppelzimmer.

SPIEGEL: Haben Sie sich je von linken Terror- isten bedroht gefühlt?
SACHS: Nein, ich hatte weder Angst noch Bodyguards. Für Mädchenbesuche ist das nicht das Richtige. Im Übrigen passte ich auch nicht in deren Schema vom vermeintlichen Bonzen. Auch besitze ich kein so kolossales Vermögen, wie die Medien glauben machen. Es ist nicht zu vergleichen etwa mit dem der Familien Flick oder Quandt.

SPIEGEL: Gab es je einen Moment, in dem Sie nicht wussten, ob das Geld für den nächsten Tag reichen würde?
SACHS: Als Student hatte ich eine Roulette- Phase. Den Moment gab es also durchaus. Bis mir eines Tages wieder ein Satz meines Mathematiklehrers einfiel, der in seiner Jugend ebenfalls vom Roulette besessen war. Er sagte: "Die Kugel hat kein Gedächtnis." Als ich das kapiert hatte, war ich geheilt. Ich rate jedem, der eine Spielbank sprengen will, über diesen Satz nachzudenken.

SPIEGEL: Sie haben erwachsene Söhne, die wie fast alle Familienangelegenheiten in Ihren Lebenserinnerungen nur sparsam vorkommen. Kritisieren die manchmal Ihren Lebensstil?
SACHS: Nein. Was sollen sie auch kritisieren? Ich habe unser Vermögen gesichert und vervielfacht.

SPIEGEL: Von Ihrem Liebeskummer in Kinder- tagen abgesehen, haben Sie in Ihrem Leben auch alle Frauen bekommen, die Sie wollten?
SACHS: So würde ich das nicht formulieren. Wenn Sie eine besondere Frau erobern wollen, müssen Sie einfallsreich und schnell sein. Dabei habe ich stets auf ethische Grundsätze geachtet. Ein schlechtes Gewissen ist belastend.

SPIEGEL: In Ihrem Buch beschreiben Sie einmal den lebensgefährlichen Liebesakt mit Brigitte Bardot auf einem im nächtlichen Meer kreisenden Motorboot. Ist das Ihre Vorstellung vom glücklichen Tod?
SACHS:
Ja, "mourir d'amour" - Wir wussten, dass wir jederzeit an einer Klippe zerschellen konnten. Aber die Bedenken flogen in die Sommernacht. Und vielleicht ersehnten wir das sogar. Der Stoff "Verliebtsein" ist eben unberechenbar. Auch nach 40 Jahren rieseln mir noch heiße und kalte Schauer über den Rücken, wenn ich an diese Fahrt denke.

SPIEGEL: Herr Sachs, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

 



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Letzte Änderung: 27.08.2010
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